Batteriespeicher: Standard oder Luxus?

Sonntag, 1. Juni 2025
Wer eine Solaranlage plant oder bereits betreibt, fragt sich früher oder später, ob sich ein Batteriespeicher lohnt. Ob ein Batteriespeicher inzwischen zum Standard gehört oder noch als Luxus gilt, lässt sich gut anhand der aktuellen Markttrends beurteilen. Wie entscheiden sich andere in der Schweiz?

Der Branchenverband Swissolar stellt in seinem aktuellen Bericht «Batteriespeicher mit Photo­voltaik» fest, dass mittlerweile rund jede zweite neue Solaranlage in der Schweiz mit einem Batteriespeicher kombiniert wird. Eine vergleichbare Tendenz zeigt das «Photo­voltaik-Barometer 2025», das von der Berner Fachhochschule in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Eturnity erstellt wurde: Demnach wurden im vergangenen Jahr über 60 Prozent der neu angebotenen Anlagen bereits mit einem Speichersystem geplant. Geht es nach den Schweizer Solarfirmen, empfehlen knapp 80 Prozent der Swissolar-Mitglieder bei einer PV-Installation im Einfamilienhaus den Einbau eines Speichers.


Preisrückgang und neue Rahmenbedingungen stärken den Speichertrend

Der Blick auf die aktuellen Branchen­trends zeigt: Batteriespeicher werden dank fortschreitender Massenproduktion immer preiswerter. In den Jahren 2016 und 2017 lagen die Installations­kosten für Batteriespeicher in der Schweiz noch zwischen 1’000 und 2’500 Franken pro Kilowatt­stunde Speicher­kapazität. Eine Swissolar-Umfrage vom Dezember 2024 ergab, dass der durchschnittliche End­kunden­preis zu diesem Zeitpunkt auf rund 800 Franken pro installierter Kilowatt­stunde gesunken war.

Gleichzeitig lohnt sich das Speichern immer mehr, da Rück­vergütungen der Elektrizitäts­werke für den ins Netz eingespeisten Strom immer mehr sinken. Ab 2026 kommen weitere Anreize hinzu: Das Netzentgelt für gespeicherten und erneut eingespeisten Strom wird rück­erstattet. Zudem dürften dynamische Strom­tarife vermehrt angeboten werden – sie belohnen eine netz­dienliche Betriebsweise und erhöhen damit die Wirtschaftlich­keit von Speicher­systemen.


Lohnt sich ein Speicher? Die wichtigsten Faktoren

Ein Batteriespeicher wäre Luxus, wenn er sich nicht lohnt – oder wenn er nur selten genutzt würde. Doch beides trifft in vielen Fällen nicht zu: Bei typischen Verbrauchs­profilen in Einfamilienhäusern kommt der Speicher täglich zum Einsatz.

Ob sich ein Batteriespeicher lohnt, lässt sich gut abschätzen. Relevante Faktoren dafür sind das Last­profil – wann im Tages­verlauf wie viel Strom üblicherweise genutzt wird, der Eigen­verbrauchs­anteil ohne Speicher sowie künftige Strom­preise und Rück­vergütungen.

Fachbetriebe bieten heute realistische Wirtschaftlich­keits­rechnungen an, die eine fundierte Entscheidungs­grundlage liefern. Sie können sich auch selbst ein Bild verschaffen. Im Internet stehen dafür unterschiedliche Berechnungs­hilfen zur Verfügung: Der Eigenverbrauchs­anteil lässt sich gut mit dem «Unabhängigkeits­rechner» der HTW Berlin abschätzen. Für eine detaillierte Wirtschaftlich­keits­rechnung stellt Swissolar eine Excel-Vorlage zur Verfügung.


Gründe für die Anschaffung von Batteriespeichern

In einer Mitglieder­befragung hat Swissolar ermittelt, aus welchen Gründen Batteriespeicher in Ein- und Mehrfamilienhäusern installiert werden. Die folgenden Angaben zeigen, welche Motive von den Befragten «fast immer» oder «oft» als ausschlaggebend genannt wurden:

  • 94 %: Erhöhung des Eigen­verbrauchs
  • 74 %: Tiefe Rück­vergütung für eingespeisten Strom
  • 46 %: Verbesserung der Wirtschaftlich­keit der Solaranlage
  • 40 %: Beitrag zur Energie­wende
  • 33 %: Interesse an neuer Technologie
  • 30 %: Nutzung in Kombination mit Elektro­mobilität
  • 23 %: Möglichkeit zur Not­strom­versorgung
  • 10 %: Netz­dienlicher Betrieb
  • 8 %: Reduktion von Last­spitzen

Die Anschaffungs­gründe wandeln sich mit der Zeit. Beispielsweise häufen sich nach dem Strom­ausfall in Spanien die Anfragen für Not­strom­systeme bei Elektro­bedarf Troller. Dabei muss man wissen, dass nicht alle Strom­speicher Not­strom bereitstellen. Das Interesse an einem netz­dienlichen Betrieb dürfte mit der breiten­wirksamen Einführung dynamischer Strom­tarife ansteigen.

Für Einfamilienhäuser hat sich ein Speicher­bereich von 5 bis 15 kWh etabliert – abhängig vom Strom­verbrauch, der Leistung der Solaranlage und dem angestrebten Autarkie­grad. Als grober Orientierungs­wert gilt ein Verhältnis von 1 kWh Speicher­kapazität pro 1 kWp installierter PV-Leistung.


Individuelle Einschätzung bleibt entscheidend

Trotz klarer Markt­trends und technischer Standards bleibt die Auslegung eines Batteriespeichers eine Einzel­fall­entscheidung. Der Strom­verbrauch, das Nutzer­verhalten, die Ausrichtung der Solaranlage und regionale Förder­bedingungen beeinflussen die Wirtschaftlich­keit erheblich. Eine fundierte Beratung durch Fach­betriebe ist deshalb in den meisten Fällen empfehlenswert.


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